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| Urticae herba -
Brennesselkraut DAC 1986 3. Erg. 91 |
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| Stammpflanzen: Urtica dioica L. und Urtica
urens L. [Fam.
Urticaceae/Brennesselgewächse]; Urtica
dioica L.: Große Brennessel; Synonyme: Urtica major KANITZ,
U. urens maxima BLACKW. / Haarnessel, Hanfnessel, Scharfnessel,
Tausendnessel. Ausdauernde, 30 bis 150 cm, zuweilen bis 2,5 m hohe Pflanze mit einem
stielrunden, ästigen, kriechenden Wurzelstock und einem vierkantigen, mit Borstenhaaren
besetzten Stengel, zudem ebenso wie die Laubblätter mit Brennhaaren. Die gestielten
Laubblätter sind gegenständig angeordnet, eiförmig-länglich, gespitzt, am Grunde
herzförmig oder abgerundet und besitzen einen gesägten Rand. Die kurzen Brennhaare sind
angedrückt und finden sich auf beiden Seiten der Spreite. Überwiegend diözisch. Die männlichen
Blütenstände sind auch nach dem Verblühen aufrecht und tragen kurze Seitenäste, die
weiblichen Blütenstände besitzen etwas längere Seitenäste, die nach der Befruchtung
hängen. Urtica urens L.: Kleine
Brennessel; Synonyme: Urtica minor FUCHS, U. minor MOENCH,
U. urens minima DOD. / Eiternessel. Einjährige, 10 bis 60 cm hohe
monözische Pflanze. Die
gelblichweiße Wurzel ist spindelförmig, der Stengel aufrecht und vierkantig, einfach,
nur gelegentlich ästig. Abgesehen von den Brennhaaren sind keine weiteren Haare
vorhanden. Die gesamten oberirdischen Teile sind dicht mit Brennhaaren besetzt, die
zugleich der einzige Haartyp sind. Die lang gestielten Laubblätter sind gegenständig
angeordnet und oberseits dunkelgrün sowie glänzend. Mit einer Länge von maximal 5 cm
und einer Breite von bis zu 4 cm ist die Blattspreite erheblich kleiner als bei U.
dioica. Die Form ähnelt der obigen Art, jedoch sind die Spreiteneinschnitte im
Verhältnis zur Größe wesentlich tiefer (geschnitten gesägt), so dass die Endzähne
kaum größer als die seitlichen Zähne sind. Blütenstände kurz, höchstens 2 cm lang,
stets zu 2 in den Blattachseln, mit vielen weiblichen und wenigen männlichen Blüten. |
| Verbreitung: Urtica dioica ist eine nahezu
kosmopolitische Ruderalpflanze der gemäßigten Breiten. Demzufolge lediglich fehlend in
den Tropen und in Polargegenden, ferner nicht in Südafrika, den Balearen und auf Kreta.
Bevorzugt auf nährstoffreichen Böden wie Schutt- und Müllplätzen, ferner auf Ödland,
an Häusern, Zäunen, Wegrändern, Flussufern, feuchten Stellen in Wäldern, an
Weideplätzen von Vieh und in Hecken und Gebüschen. U. urens ist eine kosmopolitische
Ruderalpflanze, die lediglich in der Arktis, Indien und Südafrika fehlt. Die Standorte
ähneln denen von U. dioica, jedoch werden allgemein kalkreiche Böden bevorzugt.
In Mitteleuropa inzwischen relativ selten. |
| Droge: Die während der Blütezeit gesammelten und
getrockneten, ganzen oder zerkleinerten oberirdischen Teile, die jedoch höchstens 10
Prozent Stengelanteile enthalten dürfen (Reinheitsprüfung). |
| Beschreibung der Droge: Die Stengel sind einfach oder
ästig, kräftig, stumpf-vierkantig, stark gefurcht und mit kurzen Deck- sowie langen
Brennhaaren besetzt. Die Blätter sind lang gestielt und besitzen kleine, freie,
lanzettliche und spitze Nebenblätter. Die Blattspreiten sind stark geschrumpft, bis 10 cm
lang und 5 cm breit, eiförmig bis länglich, am Grund herzförmig oder abgerundet und
insbesondere am oberen Rand spitz auslaufend und grob gesägt. Sie besitzen eine
dunkelgrüne und glänzende Ober- sowie eine hellgrüne Unterseite, auf der die netzartig
angeordneten Leitbündel deutlich hervortreten. Auf den Blättern befinden sich große,
steife Brennhaare sowie kleine Deckhaare. Die Blüten sind klein, grün gefärbt,
unscheinbar und stehen in rispenförmigen Blütenständen in den oberen Blattachseln.
Vereinzelt kommen bis 1 mm lange Früchte vor, die von 4 eiförmigen Blättchen umhüllt
werden. |
| Geruch und Geschmack: Geruch schwach wahrnehmbar,
Geschmack leicht bitter. |
| Herkunft: Überwiegend durch Sammlung aus Wildvorkommen
in mittel- und osteuropäischen Ländern, besonders Bulgarien, Ungarn, Russland,
ehemaliges Jugoslawien und Albanien. |
| Inhaltsstoffe: Die Inhaltsstoffe beider zur
Drogengewinnung herangezogenen Arten stimmen im wesentlichen überein. Als Sekundärstoffe
ca. 1-2 % Flavonoide, insbesondere
Glucoside und Rutinoside von
Quercetin,
Isorhamnetin und Kämpferol sowie das Isorhamnetin-3-O-neohesperidosid.
In geringer Konzentration verschiedene aliphatische organische Säuren, Chlorogensäure
sowie das Hydroxycumarin Scopoletin.
Nur in U. dioica kommt zu 0,03 bis 1,6 % Kaffeoyläpfelsäure vor. In den
Brennhaaren kleine Mengen Acetylcholin, Serotonin und Ameisensäure. Charakteristisch ist
ferner der hohe, bis 20 % reichende Gehalt an Mineralstoffen mit Kieselsäure, Kalium und
Nitrat (ca. 1,5 % in Handelssorten). |
| Wirkungen: Brennesselkraut zählt zu den intensiv
untersuchten Drogen. Demzufolge sind in der Literatur eine Vielzahl von Wirkungen
beschrieben. Für die Anwendung relevant erscheinen die sowohl im Tierversuch als auch in
klinischen Studien am Menschen nachgewiesene diuretische Wirkung
und entzündungshemmende und antirheumatische
Wirkung relevant. Im Zusammenhang mit der diuretischen Wirkung deuten einzelne
Befunde darauf hin, dass die vermehrte Diurese mit einer gesteigerten Elektrolyt- und
Harnstoffausscheidung einhergeht. Infolge abweichender Resultate in verschiedenen
Untersuchungen kann dieser Befund allerdings nicht als gesichert gelten. |
| Anwendungsgebiete: Bei Einnahme und äußerer Anwendung
zur unterstützenden Behandlung rheumatischer Beschwerden. Bei Einnahme als Diuretikum zur
Durchspülung bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege und bei
Nierengrieß. |
| Dosierung und Art der Anwendung: Zubereitungen einer
mittleren Drogenmenge von 8 bis 12 g pro Tag entsprechend. Zur Teebereitung
werden 3 bis 4 Teelöffel voll Droge (ca. 4 g) mit etwa 150 ml heißem Wasser übergossen
und nach 10 Minuten durch ein Teesieb gegeben. Soweit nicht anders verordnet, wird drei-
bis viermal täglich eine Tasse frisch bereiteter Tee getrunken. Auf
reichliche Flüssigkeitszufuhr achten! |
| Gegenanzeigen: Nicht anzuwenden bei Wasseransammlungen
(Ödemen) infolge eingeschränkter Herz- und Nierentätigkeit. |
| Unerwünschte Wirkungen: Keine bekannt. |
| Volkstümliche Anwendung: Neben den genannten
Anwendungsgebieten werden eine Reihe weiterer Indikationen genannt, bei denen die
Wirksamkeit der Droge allerdings nicht belegt ist. |
| Sonstige Verwendung: In der Kosmetik als Zusatz zu
Haarwässern. Brennesselspiritus zur Pflege der Kopfhaut und Haare gegen Schuppen und
fettiges Haar. Stengel von U. dioica auch zur Fasergewinnung. |
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| Literatur: Hagers Handbuch der pharmazeutischen
Praxis, Folgeband 3, Drogen L-Z, Springer-Verlag, Berlin-Heidelberg-New York 1998; M.
Wichtl (Hrsg.), Teedrogen und Phytopharmaka, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH,
Stuttgart 1997; Monografie der Kommission E, Bundes-Anzeiger Nr. 76 vom 23.04.1987;
Deutscher Arzneimittelcodex (DAC) 1986, 3. Ergänzung 1991; Schomakers, J., Bolbach, D.,
Pagels, H., Brennesselkraut - Phytochemische und anatomische Unterscheidung der
Herba-Drogen von Urtica dioica und U. urens, Deutsche Apotheker Zeitung 135:
578 (1995) |
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© Thomas Schöpke thomas@schoepke.de |