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Stramonii folium - Stechapfelblätter DAB 10
Stammpflanzen: Datura stramonium L. [Gemeiner Stechapfel, Asthmakraut; einjährige, bis 1,20 m hohe Pflanze mit bis 20 cm langen, langgestielten, eiförmigen, buchtig gezähnten Blättern und einzeln stehenden, eine trompetenförmige Krone besitzenden Blüten sowie einer mit weichen Stacheln besetzten, bis 5 cm langen Kapselfrucht]
Verbreitung: beheimatet vermutlich in M-Amerika, verbreitet in zahlreichen gemäßigten und subtropischen Gebiete der Erde, darunter auch M-Europa, besonders an N-reichen Ruderalstellen, Wegrändern, in Weinbergen und Gärten
Droge: die überwiegend aus Wildvorkommen in O- und SO-Europa stammenden, von Juni bis September gesammelten und bei 40-50° C getrockneten Blätter
Inhaltsstoffe: 0,10 bis 0,65 % Alkaloide (Gehalt mit zunehmender Lufttemperatur am Standort der Pflanze zunehmend) mit L-Hyoscyamin und L-Scopolamin als Hauptkomponenten, vorliegend im Verhältnis ca. 2:1, daneben Flavonoide, insb. Quercetin- und Kämpferolglykoside und Cumarine
Wirkungen: Wirkungen der Droge entsprechen allg. denen von Hyoscymin bzw. dem des Racemats Atropin sowie denen von Scopolamin, wobei im Vergleich zu Belladonnae folium der Scopolaminanteil stärker zum Tragen kommt, d. h. zum einen parasympatikolytische Wirkung mit einer allgemeinen Erschlaffung der glatten Muskulatur und einer Aufhebung spastischer Zustände vor allem im Bereich des Gastrointestinaltrakts und der Gallenwege, zum anderen der zentral dämpfende Effekt des Scopolamins
Anwendung: nur noch in der Volksheilkunde bei Asthma, Krampfhusten, Pertussis bei Bronchitis und Grippe, hartnäckiger Verschleimung sowie bei inneren Erkrankungen mit vegetativen Dysregulationen (Wirksamkeit nicht belegt!)
Dosierung und Art der Anwendung: Droge und daraus hergestellte Auszüge vorwiegend als Rauch- (Zigaretten) und Räuchermittel, daneben selten p. o. in Form von flüssigen und festen Zubereitungen; infolge geringer therapeutischer Breite nur in Form von auf einen bestimmten Arzneigehalt eingestelltem Zubereitungen
Akute Toxizität: letale Alkaloiddosis in 4-5 g Blättern enthalten; Vergiftungssymptome hinsichtlich der peripheren Atropinwirkungen ähnlich denen der Tollkirschvergiftung, d. h. extremer Durst, Trockenheit der Haut, Pupillendilatation und Sehstörungenm Urinretention, beschleunigter Herzschlag, die zentralerregenden Wirkungen des Atropins dagegen von den zentraldämpfenden des Scopolamins zurückgedrängt
Allgemeine Therapiemaßnahmen bei akuter Vergiftung: mit Salzwasser alsbaldiges Erbrechen auslösen, Magenspülung mit Natriumsulfat und Aktivkohle, Umschläge mit nassen Tüchern zur Senkung der Körpertemperatur (keine Antipyretika!)

L-hyoscy.wmf (6774 Byte)

L-Hyoscyamin

Scopol.wmf (7382 Byte)

L-Scopolamin


Bilder:
ganze Pflanze mit Blüten*
stattliche, blühende Pflanze*
Nahaufnahme der Blüte*
Frucht*

© Thomas Schöpke thomas@schoepke.de