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Weidenrinde - Salicis cortex DAB 1999
Stammpflanzen: Salix purpurea L., Salix daphnoides VILLARS und andere Salix-Arten [Fam. Salicaceae/Weidengewächse; Weide; sommergrüne Bäume oder Sträucher mit schraubig angeordneten, kurz gestielten, ungeteilten Blättern unterschiedlicher Form, auf der Unterseite mehr oder weniger behaart; Pflanzen zweihäusig, Blüten in als Kätzchen bezeichneten Ähren, die vor oder mit den Laubblättern erscheinen].
Verbreitung: Kosmopoliten mit Verbreitungsschwerpunkt in nördlicher gemäßigter Hemisphäre. In arktischer Zone Zwerg- oder Spaliersträucher.
Droge: Die im Frühjahr gesammelte, ganze oder geschnittene oder gepulverte, getrocknete Rinde junger Zweige mit einem Mindestgesamtsalicingehalt von 1,0 %.
Herkunft: Droge überwiegend aus dem ehemaligen Jugoslawien, Bulgarien, Ungarn und Rumänien.
Inhaltsstoffe: Phenolglykoside. Überwiegend Ester des Salicins, darunter als Hauptverbindungen Salicortin, Tremulacin und 2'-Acetylsalicortin. Mengenverhältnisse und absoluter Gehalt innerhalb der Gattung stark schwankend (je nach Art zwischen 1,5 und etwa 11 %). Ferner zahlreiche Flavonoide.
Anwendungsgebiete: Fieberhafte Erkrankungen, rheumatische Beschwerden, Kopfschmerzen. In der Volksheilkunde allgemein bei grippalen Zuständen, Zahnschmerzen, zur Behandlung leichter Schmerzen, äußerlich bei Fußschweiß und zur Behandlung schlecht heilender Wunden. Daneben existieren eine Reihe weiterer volkstümlicher Indikationen, bei denen es keinen Beweis der Wirksamkeit gibt.
Dosierung und Art der Anwendung: Mittlere Tagesdosis für flüssige und feste Darreichungsformen zur innerlichen Anwendung einer Gesamtsalicinmenge von 60 bis 120 mg entsprechend. Zur Teebereitung existieren zahlreiche Vorschriften. Bevorzugt wird ein Kaltwasserauszug. Dazu 1 bis 2 Teelöffel Weidenrinde (1 Teelöffel = ca. 3,6 g) mit 1 bis 2 Tassen Wasser ansetzen und über Nacht ziehen lassen und tagsüber trinken. Für zum sofortigen Gebrauch vorgesehene Heißwasserauszüge einen Teelöffel fein geschnittener Weidenrinde mit ¼ Liter Wasser übergießen und ganz langsam zum Sieden erhitzen, davon 2 Tassen pro Tag trinken, oder ein einer Drogenmenge von nur 2 g entsprechenden Teelöffel in ein Glas geben und mit kochend heißem Wasser übergießen, 20 min ziehen lassen, abseihen und mehrmals täglich davon trinken. Zur Verwendung als Fiebermittel existieren ebenfalls verschiedene Angaben. Üblich sind 1 bis 2 g Weidenrindenpulver mehrmals täglich. Zur äußerlichen Anwendung 50 g Droge auf ½ Liter Wasser.
Nebenwirkungen, Wechselwirkungen und Gegenanzeigen: Prinzipiell ist von den gleichen Neben- und Wechselwirkungen und damit Gegenanzeigen auszugehen wie beim Gebrauch von Salicylsäurederivaten. Entsprechende Effekte wurden experimentell auch nachgewiesen, spielen aber bei bestimmungsgemäßen Gebrauch der Droge aber scheinbar keine praktische Rolle.
Literatur: Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis, Band 6, Drogen P-Z, Springer-Verlag, Berlin-Heidelberg-New York 1994

Bilder:

Salix purpurea: Wie bei den meisten Weiden erscheinen die in den typischen Kätzchen angeordneten Blüten vor den Blättern. (Abbildungen weiterer Salix-Arten siehe Familienbeschreibung)

© Thomas Schöpke thomas@schoepke.de