Zur Startseite ...

Ononidis radix - Hauhechelwurzel DAC 1998
Stammpflanze: Ononis spinosa L. [Fam. Fabaceae/Schmetterlingsblütengewächse]; Dorniger Hauhechel; Synonyme: Ononis arvensis L.; O. campestris KOCH et ZIZ., O. vulgaris ROUY, O. vulgaris ROUY ssp. campestris (KOCH et ZIZ.) ROUY et FOUC.; dt. Synonyme: Eselskraut, Harnkraut, Hauhechel, Ochsenbruch, Stachelkraut, Steinwurzel, Weiberkrieg; Die Art ist recht formenreich, so dass die Gattung je nach Autor in eine unterschiedliche Anzahl von Unterarten eingeteilt wird. Allgemein handelt es sich um kleine, etwa 20 bis 60 cm hoch werdende Stauden, deren untere Stengel mehr oder weniger verholzen, dennoch aber im Winter zumeist absterben. Die Pflanze besitzt eine kräftige Pfahlwurzel, die bis 50 cm lang werden kann. Die Unterart maritima ist kriechend bis bogig aufsteigend, die Unterart spinosa aufrecht. Die Seitentriebe enden meist in Dornen. Die jungen Triebe sind mehr oder weniger dicht mit zottigen, weißlichen, meist drüsigen Haaren besetzt, die älteren (verholzenden Triebe) zunehmend kahl. Gestalt und Größe der Blätter können variieren. Fast immer sind sie entweder nur kurz gestielt oder sogar sitzend. Die unteren sind dreizählig. Das Endblättchen ist größer und länger gestielt als die zwei seitlichen. Die Länge der kahlen oder mehr oder weniger behaarten Blättchen beträgt 1 bis 2,5 cm, der Rand ist gezähnelt. Die Nebenblätter sind relativ groß, eiförmig und mehr oder weniger gezähnt. In den Blattwinkeln der oft verdornenden Kurztriebe können jeweils 1 bis 3 Blüten vorhanden sein, die sich mit anderen Blüten zu lockertraubigen, dicht beblätterten Gesamtblütenständen vereinigen können. Der Kelch ist etwa so lang wie das Tragblatt und damit viel länger als der sehr kurze Blütenstiel. Er besteht aus einer kurzen Röhre und fünf Zähnen, die drei- bis viermal so lang wie die Kelchröhre sind. Die Kelchzähne besitzen drei Adern und sind zuletzt ausgebreitet. Die Krone ist 1 bis 2 cm lang, fleisch- bis purpurrot oder violett, selten weiß. Ihre Fahne ist deutlich länger als Flügel und Schiffchen. Die Hülsenfrucht ist eiförmig, wenig abgeflacht, kürzer oder wenig länger als der Kelch und häufig drüsenhaarig. In den Früchten befinden sich 1 bis 3 rundliche, stark höckerige Samen.
Verbreitung: In Europa, Westasien und Nordafrika überwiegend auf Halbtrockenrasen, wechseltrockenen Wiesen und Weiden.
Droge: Die im Herbst geernteten, getrockneten, ganzen oder zerkleinerten Wurzeln und Wurzelstöcke.
Beschreibung der Droge: Der kurze Wurzelstock trägt mehrere verholzte Sprossbasen sowie 1,5 bis 6 mm dicke, sprossbürtige Wurzeln. Nach unten geht er in die 0,7 bis 2 cm dicke und bis etwa 50 cm lange, pfahlförmige, kaum verzweigte Hauptwurzel über. Diese ist oft gedreht und gebogen sowie durch tiefe Längsfurchen zerklüftet bis aufgespalten. Die Wurzeln sind außen dunkel graubraun, innen weiß, auffallend faserig, sehr hart und kaum zu brechen. Im Querschnitt ist der strahlige, meist exzentrische Bau des blassgelblichen Holzkörpers zu erkennen, der von unterschiedlich breiten, weißen Markstrahlen durchzogen wird. Beim Betrachten mit der Lupe sind die großen Tracheen als feine Poren erkennbar.
Geruch und Geschmack: Geruch schwach, eigenartig, Geschmack süßlich-herb und kratzend.
Synonyme Drogenbezeichnungen: Radix Arestae, Radix Ononidis, Harnkrautwurzel, Haudornwurzel, Hechelkrautwurzel, Ochsenbrechwurzel, Stachelkrautwurzel.
Herkunft: Überwiegend aus südost- und osteuropäischen Ländern, besonders Bulgarien, Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawiens und Ungarn.
Inhaltsstoffe: Als Hauptkomponenten Isoflavonoide und zahlreiche phenolische Säuren unterschiedlichen Typs (Benzoe- und Phenylpropansäuren), ferner etwa 0,02 bis 0,2 % ätherisches Öl und in geringer Menge Gerbstoffe, Lektine und Sterole. Das Vorkommen von Flavonoiden ist fraglich. Isoflavonoide sowohl frei als auch als Glykoside. Wichtige Vertreter sind die Aglykone Formononetin, Genistein, Biochanin A und deren Glykoside, bei denen nur Glucose als Zuckerbaustein in 3-O- oder 7-O-glykosidischer Bindung vorliegt.
Wirkungen: Der Droge wird eine diuretische Wirkung zugeschrieben. In den bislang durchgeführten Untersuchungen wurden neben positiven auch negative Resultate erzielt, so dass eine abschließende Beurteilung der Befunde zur diuretischen Wirksamkeit nicht möglich ist.
Anwendungsgebiete: Zur Durchspülung bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege. Als Durchspülung zur Vorbeugung und Behandlung von Nierengrieß.
Dosierung und Art der Anwendung: Zur Bereitung des Aufgusses werden etwa 2 Teelöffel voll (3 bis 4 g) gut zerkleinerter Droge mit ca. 150 ml kochendem Wasser übergossen, anschließend warm gehalten und nach ca. 30 min durch ein Teesieb gegeben. Von diesem Aufguss wird dreimal täglich zwischen den Mahlzeiten eine Tasse getrunken. Alternativ kann die gut zerkleinerte Droge mit kaltem Wasser angesetzt und anschließend zum Sieden erhitzt werden. Auf reichliche Flüssigkeitszufuhr ist zu achten!
Volkstümliche Anwendungsgebiete: Bei Rheuma, Gicht, Leberschwellung und Gelbsucht. Gegen Wasserstauungen und bei Wassersucht. Die Wirksamkeit bei diesen Anwendungsgebieten ist nicht belegt.
Gegenanzeigen: Keine bekannt. Bei Ödemen infolge eingeschränkter Herz- oder Nierentätigkeit keine Durchspülungstherapie!
Unerwünschte Wirkungen: Keine bekannt.
Wechselwirkungen mit anderen Mitteln: Keine bekannt.
Bilder:
wpe1C.jpg (4051 Byte) Ononis spinosa L.: Die Abbildung links zeigt die typische Wuchsform der Dornigen Hauhechel. Deutlich zu erkennen sind die bodenanliegenden Hauptzweige, von denen mehr oder weniger senkrecht aufragend die kurzen Seitentriebe entspringen. Rechts ist eine Blüte mit der auffallend großen Fahne abgebildet. wpe1D.jpg (3712 Byte)
Literatur: Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis, Ergänzungsband 3, Drogen L-Z, Springer-Verlag, Berlin-Heidelberg-New York 1998; M. Wichtl (Hrsg.), Teedrogen und Phytopharmaka, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart 1997; Monografie der Kommission E, Bundes-Anzeiger Nr. 76 vom 23.04.1987; DAC 1998

© Thomas Schöpke thomas@schoepke.de