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| Myrtilli
fructus - Heidelbeeren DAC 1998 |
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| Stammpflanze: Vaccinium myrtillus L. [Fam. Ericaceae/Heidekrautgewächse];
Heidelbeere; Synonyme: Myrtillus niger GILIB., M. sylvatica
BUBANI, Vaccinium angulosum DULAC., V. montanum
SALISB.; dt. Synonyme: Bickbeere, Blaubeere, Krackbeere, Mostbeere,
Schwarzbeere, Taubeere; Sommergrüner, stark verzweigter, buschiger, bis 50 cm hoher
Strauch. Grundachse unterirdisch (weit) kriechend. Von ihr aufsteigend grüne, scharf
dreikantige Zweige. Blätter wechselständig angeordnet, recht derb, an älteren Zweigen
dunkelgrün, an jüngeren hellgrün. Blattspreite rundlich-eiförmig, Spreitenrand fein
gesägt, Blattstiel kurz. Blüten einzeln in den Achseln der Blätter, kurz gestielt, 4
bis 7 mm lang. Kelch klein, undeutlich 5-lappig, mit dem Fruchtknoten verwachsen und daher
bleibend. Kronblätter verwachsen, einen 5zipfeligen, kugelig-krugförmigen Becher
bildend. Staubblätter 8 oder 10, im Kronbecher verbleibend, kürzer als der Griffel. Die
Frucht ist blauschwarz gefärbt, häufig jedoch bereift, wodurch sie heller erscheint
(leuchtend blau --> "Blaubeere"), kugelförmig, mit Diskus, in dessen Zentrum
sich häufig noch der hinfällige Griffel befindet. Sie enthält zahlreiche Samen. |
| Verbreitung: Die Art findet sich nahezu in der gesamten
kalten und kalt-gemäßigten nördlichen Hemisphäre. In Europa beginnt das
Verbreitungsgebiet im Westen in den Pyrenäen und im Süden in den Alpen und umfasst
sämtliche nördlich davon gelegenen Regionen. Im Osten reicht das Verbreitungsgebiet bis
Ost-Sibirien und dringt dort im Süden bis in den Kaukasus und die zentralasiatischen
Gebirge ein. In Amerika von Kanada (Alberta, British Columbia) bis in die südlichen Rocky
Mountains (Arizona, New Mexico). Bevorzugt als Unterwuchs in nicht allzu schattigen
Wäldern und auf Hochmooren. Im Süden bis in die alpine Stufe aufsteigend. |
| Droge: Die reifen, getrockneten Früchte. |
| Beschreibung der Droge: Die zum Teil kurz gestielten
Beeren sind blauschwarz gefärbt, etwa 3 bis 6 mm groß, weich und stark geschrumpft. Ihre
Oberfläche ist grob runzelig, ihre Form unregelmäßig kugelig. Am Scheitel tragen sie
einen wulstartigen Kelchrest, an dem häufig noch 4 bis 5 kurze, stumpfe Kelchzipfel zu
erkennen sind. Vorne im Zentrum befindet sich etwas eingesunken der Griffelrest, der von
einem auffälligen, flachen, ringförmigen Diskus umgeben wird. Im blauschwarzen,
fleischigen Mesokarp befinden sich 4 bis 5 Fruchtfächer, die jeweils zahlreiche, etwa 1
mm große, zweiseitig abgeplattete, schiefeiförmige Samen mit glänzend rotbrauner,
netzgrubiger Oberfläche enthalten. |
| Geruch, Geschmack und sonstige Eigenschaften: Nahezu
geruchlos, Geschmack angenehm süßsauer, leicht zusammenziehend. Beim Kauen wird der
Speichel rotviolett gefärbt. Die Droge darf nicht hart sein und soll sich leicht
zerquetschen lassen. |
| Synonyme Drogenbezeichnungen: Baccae Myrtilli, Baccae
Myrtillorum, Fructus Myrtilli, Fructus Myrtillorum, Bickbeeren, Blaubeeren, Schwarzbeeren. |
| Herkunft: Überwiegend aus Wildbeständen südost- und
osteuropäischer Länder, besonders GUS, Polen, Rumänien, Bulgarien und Nachfolgestaaten
des ehemaligen Jugoslawiens. |
| Inhaltsstoffe: Ca. 0,5 % Anthocyane, bei denen es sich
überwiegend um Delphinidinglykoside
(3-O-Arabin-, -Galact- und -Glucosid) handelt. Daneben auch Cyanidin-, Malvidin-, Paeonidin- und
Petunidinglykoside. Proanthocyanidine
mit dem Epicatechin-Dimeren-B2 und B-3 sowie den Catechin-Epicatechin-Dimeren B-1 und B-4
als Hauptkomponenten. Nach älteren Literaturangaben 5 bis 12 % Gerbstoffe. Ferner die
Gerbstoffvorstufen Catechin
und Epicatechin, deren Konzentration während der Reife abnimmt. Geringe Mengen an Flavonoiden (14 mg / 100 g), Iridoide nur in den unreifen
Früchten. Ferner verschiedene organische Säuren (insbesondere Chlorogen-,
Ferula- und Syringasäure) sowie Triterpene (ca. 0,25 % Ursolsäure). |
| Wirkungen: Obwohl (oder gerade weil?) es sich bei den
Heidelbeeren um eine Droge handelt, die als Nahrungsmittel in den Sommermonaten zuweilen
in großen Mengen konsumiert wird, ohne dass dabei eine sichtliche Beeinflussung
physiologischer Parameter erfolgt, wurden in zahlreichen pharmakologischen Untersuchungen
insbesondere für die Heidelbeeranthocyanid-(VMA)-Zubereitung zahlreiche Wirkungen
nachgewiesen. Zu diesen Wirkungen zählen unter anderem: gefäßschützende Wirkung,
Hemmung der Blutplättchenaggregation (Humanblut), antiulcerative Wirkung und wundheilende
Wirkung. Nach Monografie der Kommission E adstringierend. |
| Anwendungsgebiete: Unspezifische, akute
Durchfallerkrankungen. Lokale Therapie leichter Entzündungen der Mund- und
Rachenschleimhaut. Darüber hinaus werden noch weitere Indikationen für die
VMA-Zubereitung genannt. Diese Angaben entstammen jedoch einem einzelnen Arbeitskreis, von
dem auch die oben genannten pharmakologischen Wirkungen beschrieben wurden, so dass bei
Interesse auf die Originalliteratur bzw. "Hagers Handbuch" verwiesen sei. |
| Dosierung und Art der Anwendung: Soweit nicht anders
verordnet einer Tagesdosis von 20 bis 60 g Droge entsprechend (mittlere Tagesdosis 30 g).
Die lokale Anwendung erfolgt unter Verwendung einer 10prozentigen Abkochung. Die
Teebereitung kann heiß oder kalt erfolgen. Zur heißen Teebereitung werden 1 bis 2 Esslöffel
Heidelbeeren in ca. 150 ml Wasser etwa 10 Minuten gekocht und noch heiß durch ein Teesieb
gegeben. Zur kalten Teebereitung wird die selbe Menge mit kaltem Wasser angesetzt.
Anschließend lässt man 2 Stunden quellen. Soweit nicht anders verordnet, wird mehrmals
eine Tasse frisch bereiteter Aufguss bis zum Abklingen der Durchfälle kalt getrunken.
Alternativ zur Teebereitung können auch 1 bis 2 Teelöffel Heidelbeeren mit etwas
Flüssigkeit eingenommen werden. |
| Dauer der Anwendung: Die Anwendungsdauer sollte 3 bis 4
Tage nicht überschreiten. Sollten nach diesem Zeitraum die Durchfälle noch anhalten, ist
unbedingt ein Arzt aufzusuchen. |
| Volkstümliche Anwendungsgebiete: Innerlich bei
Erbrechen, Blutungen und zur Hämorrhoidenbehandlung mit kurmäßiger Anwendung. Die
Wirksamkeit bei diesen Anwendungsgebieten ist nicht ausreichend belegt. Äußerlich für
Umschläge bei Hautkrankheiten und schlecht heilenden Geschwüren. Auch hier ist die
Wirksamkeit unzureichend dokumentiert, infolge der adstringierenden Eigenschaften jedoch
erklärbar. |
| Gegenanzeigen: Keine bekannt. |
| Unerwünschte Wirkungen: Keine bekannt. |
| Wechselwirkungen mit anderen Mitteln: Keine bekannt. |
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| Bilder: |
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Vaccinium
myrtillus L.: Im Gegensatz zu der ebenfalls in Mitteleuropa heimischen
immergrünen Preiselbeere (Vaccinium vitis-idaea L.) und Bärentraube (Arctostaphylos
uva-ursi (L.) SPRENG.) ist die Heidelbeere eine sommergrüne, im
Herbst das Laub abwerfende Pflanze. Man findet sie sowohl in lichten Wäldern als auch in
offenen Heidegebieten insbesondere der Mittelgebirge. Die im zeitigen Frühjahr erscheinen
Blüten sind relativ klein unscheinbar. Umso mehr fallen die unter günstigen Umständen
einen Durchmesser von 1 cm erreichenden Früchte auf, die infolge eines dünnen Reifbelags
gelegentlich leuchtend blau erscheinen. |
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| Literatur: Hagers Handbuch der pharmazeutischen
Praxis, Band 6, Drogen P-Z, Springer-Verlag, Berlin-Heidelberg-New York 1994; M. Wichtl
(Hrsg.), Teedrogen und Phytopharmaka, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart
1997; Monografie der Kommission E, Bundes-Anzeiger Nr. 76 vom 23.04.1987 und Nr. 50 vom
13.03.1990; DAC 1998; USDA, ARS, National Genetic Resources Program. Germplasm Resources
Information Network - (GRIN). [Online Database] National Germplasm Resources Laboratory,
Beltsville, Maryland. Available: www.ars-grin.gov/cgi-bin/npgs/html/taxon.pl?41040 (16
March 2000) |
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| © Thomas Schöpke thomas@schoepke.de |