| Stammpflanze: Piper methysticum G. FORST.
[Fam. Piperaceae/Pfeffergewächse;
Kawapfeffer, Rauschpfeffer; Synonyme: Macropiper latifolium MIQ., M.
methysticum (G. FORST.) HOOK. et ARNOTT.,
Piper inebrians SOLAND; ausdauernder, 1 bis 4 hoch werdender,
diözischer Strauch mit großen, bis 30 cm langen, kurz gestielten, breit oval bis
herzförmigen Blättern, die im durchscheinenden Licht drüsig punktiert erscheinen;
Blüten klein und unscheinbar, ohne Perianth, in 3 bis 9 cm langen, ährenartigen
Blütenständen (es sind lediglich Pflanzen mit männlichen Blütenständen bekannt!)] |
| Verbreitung: Ursprüngliche Heimat unbekannt, ebenso
keine Wildpflanzen. Der Ursprung der Art wird auf Neuguinea oder den Neuen Hybriden
vermutet. Neuere Erkenntnisse deuten darauf hin, dass P. methysticum mit P.
wichmannii C. DC. identisch ist. Diese fertile Arte kommt auf
Papua-Neuguinea, den Salomoninseln um im nördlichen Teil von Vanuatu vor und ist dem
Rauschpfeffer zum Verwechseln ähnlich. |
| Droge: Der meist geschälte und geschnittene,
überwiegend von den Wurzeln befreite getrocknete Wurzelstock mit einem Mindestgehalt an
Kavalactonen von 3,5 %. |
Beschreibung der Droge: Ein bis fünf Zentimeter dicke,
gelegentlich auch größere Längs- und Querstücken von verschiedener Form. Außen
weißlich oder hellgelbbraun, innen weiß bis weißlichgelb mit einzelnen hell- und
dunkelbraunen Stellen. Der Bruch ist fasrig. Im Querschnitt ist innen ein heller Kern
vorhanden, der von einem durch zahlreiche Holzstrahlen strahlig gefächerten Holzkörper
und zuweilen von einer dünnen Rinde umgeben ist. Bei älteren Rhizomen im zentralen
Bereich zahlreiche Spalten und Höhlungen, die durch Zerstörung des Parenchyms entstanden
sind. Ungeschältes Rhizom außen grau bis graubraun, ebenso die gelegentlich noch
vorhandenen Wurzeln.
Im geschnittenen Zustand sind relativ weiche, gelblichweiße Bruchstücke zu erkennen. |
| Geruch und Geschmack: Geruch schwach aromatisch,
Geschmack leicht bitter, pfefferartig, seifig-kratzend und zusammenziehend: Beim Kauen
kommt es zum Speichelfluss und zu einer lang andauernden Anästhesie der Zunge. |
| Herkunft: Kulturen besonders Polynesiens (Tonga,
West-Samoa) und Melanesiens (Vanuatu, Fidschi-Inseln). |
| Inhaltsstoffe: Mindestens (DAC 1998) 3,5 %, häufig
jedoch über 5 % Kavalactone mit
ca. 1,8 % Kavain, 1,2 % Methysticin, jeweils 1 % Desmethoxyangonin und Yangonin, 0,6 %
Dihydrokavain und 0,5 % Dihydromethysticin als Hauptkomponenten. Als weitere Inhaltsstoffe
geringe Mengen ätherisches
Öl und Flavonoide, als
Reservestoffe reichlich Stärke. |
| Wirkungen und Wirkungsmechanismus: Anxiolytische
Wirksamkeit - Der Mechanismus der angstlösenden Wirksamkeit ist bis zum heutigen
Zeitpunkt nicht sicher geklärt. Es liegen unzählige Untersuchungsergebnisse sowohl von
pharmakologischen Experimenten als auch von klinischen Studien vor, in denen mögliche
Ursachen aufgezeigt wurden. Erwiesen sind u. a. eine Verminderung der Krampferregbarkeit,
eine zentral muskelrelaxierende Wirksamkeit und eine Verlängerung der Schlafzeit bei
gleichbleibenden Traumschlaf. Wie bei synthetisch hergestellten Antidepressiva tritt die
Wirkung erst nach sieben bis zehn Tagen ein. Eine sedierende Komponente scheint zu fehlen,
so dass auch keine Beeinträchtigung der Konzentrationsfähigkeit nicht gegeben ist. |
| Anwendungsgebiete: Nervöse Angst-, Spannungs- und
Unruhezustände. |
| Gegenanzeigen: Schwangerschaft, Stillzeit, endogene
Depressionen. |
| Unerwünschte Wirkungen: Bei länger dauernder Einnahme
kann es zu einer vorübergehenden Gelbfärbung der Haut und Hautanhangsgebilde kommen,
wodurch ein Abbruch der Therapie erforderlich wird. In seltenen Fällen sind ferner
allergische Hautreaktionen, Akkomodationsstörungen,
Pupillenerweiterungen sowie Störungen
des okulomotorischen Gleichgewichts möglich. |
| Wechselwirkungen mit anderen Mitteln: Eine
Wirkungsverstärkung von anderen zentralwirksamen Mitteln wie Alkohol, Barbituraten und
Psychopharmaka ist möglich. |
| Dosierung und Art der Anwendung: Droge oder Zubereitungen
in einer Tagesdosis für die perorale Anwendung, welche einer Menge von 60 bis 120 mg
Kavapyronen entspricht. Die Dauer der Anwendung sollte ohne ärztlichen Rat drei Monate
nicht überschreiten. |
| Hinweis: Auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch können
Sehleistung und Reaktionsvermögen herabgesetzt werden. |
| Sonstige Verwendung: Im Südseeraum zur Zubereitung des
Kava-Getränks, welches eine Anästhesie von Z unge und Mundschleimhaut sowie ein
reduziertes Geschmacksempfinden bewirkt und Wohlbefinden, Friedfertigkeit und Entspannung
hervorrufen soll, ohne das Bewusstsein und die Denkfähigkeit zu beeinträchtigen. |