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Artischockenblätter - Cynarae folium
Stammpflanze: Cynara scolymus L. [Fam. Asteraceae/Korbblütengewächse; Artischocke; Synonyme: Cynara cardunculus L. ssp. scolymus (L.) HAY, Cynara cardunculus L. var. sativa MORIS; dt. Synonyme: Grüne Artischocke, Französische Artischocke, Kugelartischocke; ausdauerndes Kraut mit kurzem Wurzelstock, bis 2 m hohen Stengel, bis 80 x 40 cm großen, ein- bis zweifach fiederschnittigen, grundständigen Blättern und 8 bis 15 cm breiten Köpfen mit blauvioletten Röhrenblüten; Hüllblätter auffallend groß, bis 40 mm breit und 35 mm lang, im unteren Teil fleischig]
Verbreitung: Als Wildpflanze unbekannt, angebaut in mehreren Kulturformen in Süd- (Italien, Spanien), West- und Mitteleuropa sowie den USA (Florida).
Droge: Die getrockneten, ganzen oder geschnittenen Grundblätter.
Herkunft: Kulturen besonders der Balkenländer, Spaniens, Portugals, Italiens, Frankreichs und Marokkos.
Inhaltsstoffe: Bis 4 % (teilweise bis 6 % angegeben) Coffeoylchinasäuren (insbesondere Chlorogensäure und 1,5-O-Dicaffeoylchinasäure, jedoch wenig Cynarin), 0,5 - 5 % Sesquiterpenlactone (besonders Cynaropikrin); verantwortlich für bitteren Geschmack) und ca. 0,5 % Flavonoide.
Wirkungen und Wirkungsmechanismus: Blutlipidspiegel senkende Wirkung - Obwohl Wirkungsmechanismus und wirksame Komponenten noch nicht vollständig geklärt sind, gilt die Hemmung der Cholesterolbiosynthese sowie choloretische Wirkung (s. unten) als Ursache der Blutlipidspiegel senkenden Wirkung als gesichert. Wahrscheinlich ist eine Beteiligung insbesondere der Coffeoylchinasäuren und der Flavonoide (Hinweis: In Präparaten einiger Hersteller von Artischockenpräparaten wurde ausschließlich auf den Gehalt an Coffeoylchinasäuren standardisiert, wogegen in diesen Extrakten Flavonoide zum Teil nur in Spuren anwesend sind!), wobei nach neueren Ergebnissen den Flavonoiden die entscheidende Rolle zukommt [Quelle].
Choleretische Wirkung - Steigerung der Galleproduktion um 20 bis 40 % und Steigerung der Sekretion von Gallenflüssigkeit (Cholerese). Die Wirkung wird den Cofeoylchinasäuren, insbesondere der Chlorogensäure und ihren Isomeren zugeschrieben.
Bitterstoffwirkung der Sesquiterpenlactone, antioxidative Wirkung.
Anwendungsgebiete: Entsprechend der Empfehlung der Kommission E bei dyspeptischen Beschwerden, aufgrund der neueren Erkenntnisse zur lipidsenkenden Wirkung auch bei Fettstoffwechselstörungen und zur Arterioskleroseprophylaxe.
Gegenanzeigen: Bekannte Allergie gegen Artischocke und andere Korbblütengewächse. Verschluß der Gallenwege und Gallensteine.
Unerwünschte Wirkungen: Bei bestimmungsgemäßem Gebrauch keine bekannt.
Dosierung und Art der Anwendung: Infolge der unterschiedlichen Wirkstoffe ist die Einnahme von Fertigpräparaten, in denen die Anwesenheit sowohl der Flavonoide als auch der Coffeoylchinasäuren standardisiert ist, vorzuziehen. Tagesdosis einer Drogenmenge von 6 g entsprechend.
Sonstige Verwendung: Hüllblätter und Blütenböden der kurz vor dem Aufblühen stehenden Pflanzen als Gemüse. In Italien und Spanien Verarbeitung bitterer Auszüge zu Likörweinen.

Bilder:

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Cynara scolymus L. (Artischocke): Blühende Pflanze (Blätter und Infloreszenz)

© Thomas Schöpke thomas@schoepke.de