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Cardui mariae fructus - Mariendistelfrüchte DAB 1999
Stammpflanze: Silybum marianum (L.) GAERTNER. [Fam. Asteraceae/Korbblütengewächse]; Mariendistel; Synonyme: Carduus marianus L., Carthamus maculatus LAM, Cirsium maculatum SCOP, Silybum maculatum MOENCH.; Dt. Synonyme: Silberdistel. Ein- oder zweijährige, 60 bis 150 cm hoch werdende Pflanze mit aufrechtem, verzweigtem, reichlich beblättertem Stengel. Ungestielte, glänzend grüne, buchtig gelappte Blätter mit milchig überlaufenen Blattadern und dornigem Rand. Blütenköpfe einzeln, 4 bis 5 cm lang, mit purpurnen Röhrenblüten und langen, steif-aufrechten oder zurückgebogenen Hüllblättern mit dorniger Spitze. Früchte bis 7 mm lang, braungelb marmoriert bis schwarz, gekrönt von einem weißen Pappus.
Verbreitung: Von den Kanarischen Inseln über das gesamte Mittelmeergebiet bis Südrussland, Kaukasusländer, Kleinasien, Iran und Irak. Verwildert im Norden bis nach England, Dänemark und Mittelrussland. Ferner eingebürgert in Amerika und Südaustralien.
Droge: Die reifen, vom Pappus befreiten Früchte mit einem Mindestgehalt an Sylimarin von 1,5 %.
Beschreibung der Droge: Etwa 6 bis 7 mm lange, ca. 3 mm breite und 1,5 mm dicke, schief-eiförmig längliche Früchte. Fruchtschale glänzend braunschwarz oder matt graubraun und dunkel- oder weißgrau gestrichelt bzw. marmoriert. An der Oberseite ist die Abbruchstelle des Pappus als vorspringender, knorpeliger, glänzend-gelblicher Rand zu erkennen, an der Unterseite die Verbindungsstelle zum Blütenboden als rinnenförmiger Nabel.
Geruch und Geschmack: Nahezu geruchlos, Fruchtschale mit bitterem Geschmack, der Samen ölig (schmeckend).
Herkunft: Argentinien, China, Rumänien, Ungarn.
Inhaltsstoffe: Mindestens 1,5 %, im Durchschnitt 1,5 bis 3 % der als Silymarin bezeichneten Flavolignane, bei denen es sich um ein Gemisch aus den drei Hauptkomponenten Silibinin (Gemisch aus den Diastereomeren Silybin A und B), Isosilibinin (Gemisch aus den Diastereomeren Isosilybin A und B), Silychristin und Silydianin sowie einer Vielzahl von Nebenkomponenten. Als weitere Bestandteile zahlreiche Flavonoide, 20 bis 30 % fettes Öl, 25 bis 30 % Eiweiß und etwas Schleim.
Wirkungen: Es ist zu unterscheiden zwischen der Droge und silymarinhaltigen Zubereitungen. Die Wirksamkeit des Flavolignangemischs Silymarin lässt sich zusammenfassend als Leberschutzwirkung beschreiben. Im einzelnen besteht eine antagonistische Wirkung gegenüber einer Reihe von Modellsubstanzen, die eine Leberschädigung bewirken. Bei diesen handelt es sich um die Gifte des Grünen Knollenblätterpilzes Phalloidin und a-Amantadin, Lanthanide, Tetrachlorkohlenstoff, Galactosamin, Thioacetamid und den Kaltblütervirus FV3.
Wirkungsmechanismus: Vermutlich sind verschiedene Mechanismen für die leberschützende Wirkung verantwortlich. An erster Stelle werden Membraneffekte genannt, d. h. es kommt zu einer Veränderung der äußeren Struktur der Hepatozyten mit dem Ergebnis, dass die Lebergifte nicht in das Innere der Zellen dringen können. Zum anderen bewirkt Silymarin eine Stimulierung der Biosynthese von Nuksleinsäuren und Proteinen in den Hepatozyten, was auf einer Steigerung der Aktivität der Polymerase I (rRNA-Polymerase). Neben diesen Effekten sind wahrscheinlich noch eine Reihe weiterer Effekte für die Wirkung verantwortlich, unter denen die antiperoxidativen Effekte am bedeutunsvollsten erscheinen. Aktivität der Zur Behandlung von hirnorganisch bedingten Leistungsstörungen bei dementiellen Syndromen mit Schwindel, Ohrensausen, Kopfschmerzen, Gedächtnisschwäche, Konzentrationsstörungen, Stimmungslabilität mit Ängstlichkeit als wichtigsten Symptomen. Vor Beginn der Behandlung ist zu klären, ob die genannten Symptome nicht auf einer spezifisch zu behandelnden Grunderkrankung beruhen. Ferner bei peripheren arteriellen Durchblutungsstörungen und bei Tinitus (Ohrensausen).
Anwendungsgebiete: Die Droge als pflanzliches Magen-Darm-Mittel bei Verdauungsbeschwerden, insbesondere bei funktionellen Störungen des ableitenden Gallensystems, auf Silymarin standardisierte Zubereitungen (Fertigpräparate) zur Prophylaxe und Therapie von toxischen Leberschäden und zur unterstützenden Behandlung bei chronisch-entzündlichen Lebererkrankungen und Leberzirrhose.
Diese Indikation schliesst durch Alkohol und Hepatiden verursachte Lebererkrankungen ein. Lebensrettend kann Silymarin wirken bei Knollenblätterpilzvergiftungen. Diese werden hervorgerufen durch die Gifte Phalloidin und a-Amantadin, die in den Leberzellen die Neusynthese von Proteinen unterbinden. Wenn der zelleigene Vorrat an Proteinen erschöpft ist, kommt es zm Zelltod, was Nekrosen des Lebergewebes zur Folge hat. Die letale Dosis an Amantotoxinen beträgt beim Menschen 0,1 mg pro kg Körpergewicht, so dass selbst bei einer 100 kg schweren Person die in einem 50 g schweren Knollenblätterpilz enthaltene Menge von 10 mg Amantotoxinen bereits ausreichend ist, um unbehandelt zum Tode zu führen. Die toxische Wirkung beruht insbesondere auf einer reversiblen Bindung an der RNA-Polymerase, der das Eindringen in die Zelle durch die Zellmembran vorausgeht. Aufgrund des oben gezeigten Wirkungsmechanismus stellt Silymarin das wirkungsvollste Antidot zur Therapie der Knollenblätterpilzvergiftung dar, weil es sowohl das Eindringen des Giftes in die Zelle als auch die Hemmung der RNA-Polymerase bewirkt.
Gegenanzeigen: Keine bekannt.
Unerwünschte Wirkungen: Keine bekannt. Vereinzelt wird eine leicht laxierende Wirkung beschrieben.
Wechselwirkungen mit anderen Mitteln: Keine bekannt.
Dosierung und Art der Anwendung: Bei Verwendung als Magen-Darm-Mittel soweit nicht anders verordnet 3 bis 4mal täglich eine Tasse des wie folgt zubereiteten Tees: Ein Teelöffel voll (ca. 3,5 g) pulverisierter Mariendistelfrüchte wird mit ca. 150 ml siedendem Wasser übergossen und nach etwa 10 bis 15 min durch ein Teesieb gegeben.
Als Lebertherapeutikum in Form von auf einen Silymaringehalt von 200 bis 400 mg standardisierten Zubereitungen.
Zur Behandlung der Knollenblätterpilzvergiftung in der Klinik als Infusion nach einem inzwischen bewährtem Therapieschema in Kombination mit begleitenden Maßnahmen.
Bilder:
Silybum marianum (L.) GAERTNER.: Die Infloreszenz mit ihren violett-roten purpurnen Röhrenblüten ähnelt verschiedenen in Mitteleuropa heimischen Distelarten. Unverwechselbar wird die Art allerdings durch die buchtig gelappten Blätter mit den milchig überlaufenen Blattadern.
Literatur: Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis, Folgeband 3, Drogen L-Z, Springer-Verlag, Berlin-Heidelberg-New York 1998; M. Wichtl (Hrsg.), Teedrogen und Phytopharmaka, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart 1997; Monografie der Kommission E, Bundes-Anzeiger Nr. 50 vom 13.03.1986; DAB 1999; Knollenblätterpilzvergiftungen - Therapie mit Silibinin sichert Überlebenschancen. Deutsche Apotheker Zeitung 138: 3500 (1998)

© Thomas Schöpke thomas@schoepke.de