Zur Startseite ...
Belladonnae folium - Belladonnablätter DAB 10
Stammpflanzen: Atropa bella-donna L. [Tollkirsche, Tollkraut, Judenkirsche; 1 bis 2 m hohe Staude mit dickem, walzenförmigen Wurzelstock, einzelnen, überhängenden Blüten und einer kugeligen, zuerst grünen, dann glänzend schwarzen, kirschgroßen Beere, die viele eiförmige, schwarze Samen enthält]
Verbreitung:
auf Kalk in schattigen Bergwäldern, auf Waldlichtungen und an Säumen in W-, M- und S-Europa, östlich bis Kleinasien, südlich bis N-Afrika, nördlich bis Dänemark, Schweden, Irland
Droge:
die überwiegend aus Wildvorkommen in O- und SO-Europa stammenden, zur Blütezeit von Mai bis Juli gesammelten, bei 40-60° C getrockneten Blätter oder Blätter mit blühenden Zweigspitzen und gelegentlich Früchten
Inhaltsstoffe:
0,2 bis max. 2 %, durschschnittlich 0,3-0,5 % Alkaloide, bestehend aus bis fast 90 % L-Hyoscyamin, daneben ca. 7 % Apoatropin, 3 % Tropin, 2 % Scopolamin; daneben Flavonoide, insb. Quercetin- und Kämpferolderivate, Cumarine und bis 10 % Gerbstoffe
Wirkungen: Wirkungen der Droge entsprechen allg. denen von (-)-Hyoscymin bzw. dem des Racemats Atropin, d. h. parasympatikolytische Wirkung mit einer allgemeinen Erschlaffung der glatten Muskulatur und einer Aufhebung spastischer Zustände vor allem im Bereich des Gastrointestinaltrakts und der Gallenwege; in höheren Dosen auch Antagonisierung der Wirkungen von Acetylcholin an Ganglien und motorischen Endplatten (nikotinerge Acetylcholinwirkung) und seiner Transmitterfunktion im Gehirn und damit zentralerregende Wirkung
Anwendung:
Spasmen und kolikartige Schmerzen im Bereich des Gastrointestinaltrakts
Dosierung und Art der Anwendung: infolge geringer therapeutischer Breite nur in Form von auf einen bestimmten Arzneigehalt eingestelltem Pulver (Belladonnae pulvis normatus) und Zubereitungen; max. Einzeldosis entsprechend 0,60 mg Gesamtalkaloide, max. Tagesdosis entsprechend 2,2 mg Gesamtalkaloide
Anwendungsbeschränkungen: nicht anzuwenden Stillzeit sowie bei tachykarden Arrhythmien, Prostataadenom mit Restharnbildung, Engwinkelglaukom, akutem Lungenödem, mechanischen Stenosen im Bereich des Magen-Darm-Traktes, daneben auch bei sehr hoher Außentemperatur (Gefahr der Hyperthermie durch verminderte Schweißsekretion)
Akute Toxizität: bis zu einer etwa 3,0 mg Atropin entsprechenden Menge Drogenmaterial Vergiftungssymptome, die auf die peripheren Atropinwirkungen zurückzuführen sind (Rötung des Gesichts, Trockenheit der Schleimhäute mit Durstgefühl, Schluckstörungen und Heiserkeit, beschleunigter Puls sowie Mydriasis mit maximal erweiterten, starren Pupillen), ab etwa 3,0 mg Atropin zentralerregende Wirkung mit starker motorischer Unruhe, Rededrang, Hallzinationen, Delirien und Tobsuchtsanfällen, die meist in Schlaf und Erschöpfung enden, bei noch höheren Dosen zentrale Lähmung mit Gefahr des Atemstillstands; LD: Erwachsene ab 100 mg Atropin bzw. ab 10 mg (-)-Hyoscyamin, Kinder wenige mg Atropin
Chronische Toxizität: bei mißbräuchlicher Verwendung als Rauschdroge allmähliche Verblödung
Allgemeine Therapiemaßnahmen bei akuter Vergiftung: mit Salzwasser alsbaldiges Erbrechen auslösen, Magenspülung mit Natriumsulfat und Aktivkohle, Umschläge mit nassen Tüchern zur Senkung der Körpertemperatur (keine Antipyretika!)

L-hyoscy.wmf (2216 Byte)

L-Hyoscyamin

Apoatrop.wmf (223142 Byte)

Apoatropin

Beladonn.wmf (275510 Byte)

Belladonnin


Bilder:
Zweig mit Blüten Zweig mit Blüten und unreifen Früchten Blüte und unreife Frucht

© Thomas Schöpke thomas@schoepke.de