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| Angelicae radix -
Angelikawurzel DAB 1999 |
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| Stammpflanze: Angelica archangelica L. [Fam. Apiaceae/Doldengewächse]; Engelwurz;
Synonyme: A. archangelica KARSTEN, A. major GILIB.,
A. offinicalis MOENCH, A. sativa BESSER, A.
sativa MILLER, Archangelica officinalis HOFFM.,
Selinum angelica LINK.; dt. Synonyme: Angelik, Engelbrustwurz,
Erzenengel, Gartenangelik, Giftwürze, Heiligenbitter, Heiliggeistwurz, Theriakwurzel;
Englisch: Archangel, garden angelica, holy ghost, wild parsnip. |
| Artgliederung: Es existieren 2 Unterarten, die ssp. archangelica
THELLUNG und die ssp. litoralis (FRIES) THELLUNG,
im Himalaja ferner eine Varietät, die var. himalaica CLARKE. |
| Botanische Beschreibung der Stammpflanze: Zwei- bis
vierjährige, bis 3 m hoch werdende Pflanze, die nach dem (einmaligen) Blühen abstirbt.
Sämtliche Teile aromatisch duftend. Die unterirdischen Teile bestehen aus einem
kräftigen, bis armdicken und meist kurzen Wurzelstock, dem zahlreiche, etwa 1 bis 6 mm
dicke Adventivwurzeln in alle Richtungen entspringen. Der aufrechte, im oberen Teil
ästige Stengel ist am Grunde bis armdick, fein gerillt, kahl, oft rotbraun angelaufen und
markig-röhrig. Die Laubblätter sind hellgrün gefärbt und groß, die unteren mit einer
Länge von 60 bis 90 cm, die oberen proportional kleiner, dreifach fiederschnittig,
gelegentlich völlig geteilt (= dreizählig) oder sogar mehrfach zerschnitten. Der
Blattrand ist ungleich eingeschnitten-gezähnt oder gesägt und die Zähne laufen in eine
weiße Stachelspitze aus. Die Blattspreitenabschnitte letzter Ordnung sind eiförmig oder
eiförmig-lanzettlich. Die großen, einen Durchmesser von 8 bis 15 cm aufweisenden
Doppeldolden sind etwa 20- bis 40strahlig und von halbkugeliger, gedrungener Form.
Hüllblätter fehlen, Hüllchenblätter zahlreich vorhanden und von
linealisch-pfriemlicher oder fast borstlicher Gestalt. Die Kronblätter sind
grünlich-weiß, gleichförmig, etwa 1 bis 1,5 mm lang und 0,75 bis 1,25 mm breit. Die 2,5
bis 3 mm langen Staubfäden ragen weit über die Kronblätter hinaus. Die Griffel sind zur
Blütezeit kurz, fast warzenförmig (kürzer als das breite, flache Griffelpolster).
Blütezeit: Juni bis August. |
| Verbreitung: Die Unterart litoralis ist in
Nordeuropa heimisch, wogegen die Unterart archangelica in Mitteleuropa und
Skandinavien kultiviert wird. Das Gesamtverbreitungsgebiet von A. archangelica reicht von
Mitteleuropa bis nach Sibirien und den Kaukasus, im Fall einer Unterart bis ins Himalaja.
Kultiviert wird die Art in vielen Ländern Europas (u. a. Frankreich, Deutschland), in
denen sie auch verwildert anzutreffen ist. Die Pflanze wächst bevorzugt auf feuchten
Wiesen, in Flachmooren, an Flussufern, in Gebüschen und lichten Wäldern, zuweilen auch
an Straßenrändern. |
| Droge: Die ganzen, unterirdischen, unterhalb 40 °C
sorgfältig getrockneten Wurzeln und Wurzelstöcke mit einem Mindestgehalt an ätherischem
Öl von 2,5 ml/kg (0,25 %). |
| Beschreibung der Droge: Wurzelstock außen grau- oder
rotbraunen, bis 50 mm dicken und quergeringelt. Die anhängenden Wurzeln sind bis 10 mm
dick, nahezu zylindrisch, groblängsfurchig, wenig verzweigt und außen ebenfalls grau-
oder rotbraun. Ihre Länge kann bis 30 cm betragen. Der Querbruch ist uneben. Im
Querschnitt erkennt man die grauweiße, schwammige Rinde, die von braunen Exkretgängen
durchzogen ist, und den hellgelben bis braungelben Holzkörper. |
| Geruch und Geschmack: Aromatischer, stark würziger
Geruch und zunächst aromatischer, dann scharfer, bitterer und anhaltend brennender
Geschmack. |
| Synonyme Drogenbezeichnungen: Angelikawurzel, Brustwurz,
Erzengelwurz, Gartenangelika, Giftwürze, Heiligenbitter, Heiligenwurzel, Heiliggeistwurz,
Theriakwurzel, Waldbrustwurz, Zahnwurzel; Englisch: Angelica root. |
| Herkunft: Praktisch ausschließlich aus dem Anbau.
Hauptlieferländer sind Polen und Holland. Gelegentlich kommt die Droge auch aus Belgien,
Deutschland (Thüringen und Erzgebirge), Italien und der Tschechischen Republik. |
| Inhaltsstoffe: Wichtigste Komponente ist das ätherisches Öl,
welches zu etwa 0,35 bis 1 % in der Pflanze vorkommt und zum überwiegenden Teil aus
Monoterpenen besteht, wobei Kohlenwasserstoffe dominieren. Hauptkomponenten sind ß-Phellandren (etwa 13 bis 28 %), a-Phellandren
(2 - 14 %) und a-Pinen
(14 - 31 %), weitere Bestandteile Camphen, D-Caren, 1,8-Cineol,
Limonen, Myrcen, ß-Pinen, Sabinen und a-Terpinen.
Sesquiterpene mit ß-Bisabolen (Humulen), Bisabolol, ß-Caryophyllen, Copaenderivaten und
Nitrophellandrenderivaten bilden einen Anteil von etwa 4 bis 7 %. Bemerkenswert ist das
Vorkommen verschiedener makrozyklischer
Lactone als Bestandteile des ätherischen Öls (Tri-, Penta-, Hepta-,
12-Methyltrideca- und 15-Oxypentadecanolid),
die zugleich wesentlich für den typischen Geruch des Öls verantwortlich gemacht werden.
Weitere wichtige Bestandteile der Droge sind Cumarine, darunter
insbesondere mehr als 20, zum Teil prenylierte Furanocumarine (u. a. Angelicin, Archangelicin, Bergaptin,
Isoimperatorin, Xanthotoxin), die prenylierten Cumarine Osthenol und Osthol, das Hydroxycumarin Umbelliferon, das Chromon Peucenin-7-methylester und
verschiedene Pflanzensäuren (sowohl Phenylpropansäuren als auch Fruchtsäuren). Weitere
Komponenten sind das Flavanon Archangelenon, ca. 24 % Zucker, 6 % Harz, Wachse, Gerbstoffe
und Stärke. |
| Wirkungen: Für das ätherische Öl der Droge wurde
tierexperimentell eine spasmolytische
Wirksamkeit nachgewiesen. |
| Anwendungsgebiete: Bei Appetitlosigkeit und dyspeptischen Beschwerden wie
leichten Magen-Darm-Krämpfen, Völlegefühl und Blähungen. |
| Volkstümliche Anwendungsgebiete: Äußerlich als mildes
Hautreizmittel zur Durchblutungsförderung. Als Badezusatz bei rheumatischen Beschwerden.
Innerlich bei Husten und Bronchitis (daher die volkstümliche Bezeichnung als Brustwurz),
bei Menstruationsbeschwerden und nervöser Schlaflosigkeit, überwiegend jedoch auch,
meist als Bestandteil von Teemischungen, zur Behandlung von Appetitlosigkeit, Leber- und
Gallenwegserkrankungen sowie bei Magen- und Darmbeschwerden. Die Wirksamkeit bei diesen
Anwendungsgebieten wurde bisher nicht bewiesen. |
| Gegenanzeigen: Nicht bekannt. |
| Unerwünschte Wirkungen: Die in der Droge enthaltenen
Furanocumarine machen die Haut lichtempfindlicher (Photosensibilisierung). Daher können
bei gleichzeitiger intensiver Einwirkung von UV-Licht (Sonnenstudio bzw. intensives
Sonnenlicht) Hautentzündungen auftreten. Daher sollte während der Anwendung von
Angelikawurzel oder deren Zubereitungen auf längere Sonnenbäder und intensive
UV-Bestrahlung verzichtet werden. |
| Wechselwirkungen mit anderen Mitteln: Nicht bekannt. |
| Dosierung und Art der Anwendung: Die mittlere Tagesdosis
beträgt 4,5 Droge. Soweit nicht anders verordnet wird mehrmals täglich eine mäßig
warme Tasse des wie folgt zubereiteten Teeaufgusses eine halbe Stunde vor den Mahlzeiten
getrunken: 1 Teelöffel voll (2-4 g) Angelikawurzel wird mit siedendem Wasser (ca. 150 ml)
übergossen und nach etwa 10 Minuten durch ein Teesieb gegeben. Der Tee kann auch durch
eine kurze Abkochung bereitet werden. |
| Sonstige Verwendung: In der Nahrungsmittelindustrie zur
Herstellung von Gewürzextrakten, Kräuterlikören und Bitterschnäpsen (z. B. Boonekamp,
Benediktiner, Kartäuser, Charteuse), gemeinsam mit Wacholderbeeren zur Herstellung von
Gin. |
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| Bilder: |
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Angelica archangelica: Die Art ist eine bis 2,5 m hoch
werdende Staude mit 2- bis 3fach gefiederten Blättern, die in allen gemäßigten Zonen
Europas und Asiens beheimatet ist und häufig an feuchten Standorten, bevorzugt
Gewässerufern, anzutreffen ist. |
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| Literatur: Hagers Handbuch der pharmazeutischen
Praxis, Folgeband 2, Drogen A-K, Springer-Verlag, Berlin-Heidelberg-New York 1998, S.
664-670; M. Wichtl (Hrsg.), Teedrogen und Phytopharmaka, Wissenschaftliche
Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart 1997; Monografie der Kommission E, Bundes-Anzeiger Nr.
101 vom 01.06.1990; Deutsches Arzneibuch 1999. |
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| © Thomas Schöpke schoepke@rz.uni-greifswald.de |